Neurodermitis: Mit proaktiver Therapie länger entzündungsfrei

Bonn, 29.10.18 Viele Patienten mit Neurodermitis kennen das: Der letzte akute Schub ist behandelt und abgeklungen – doch schon nach kurzer Zeit kehren die Symptome zurück. Dieses Auf und Ab ist für die Betroffenen sehr belastend. Mit dem so genannten proaktiven Therapieansatz kann es gelingen, die beschwerdefreie Zeit deutlich zu verlängern.

Neurodermitis, in der Fachsprache als Atopisches Ekzem bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Sie ist bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägt und erfordert eine individuell abgestimmte Therapie. Der Grundpfeiler jeder Neurodermitis-Therapie ist es, die Haut täglich mit einem geeigneten wirkstofffreien Hautpflegeprodukt einzucremen. Bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung empfehlen Fachleute zusätzlich ein dreistufiges Behandlungsschema1.

1. Die Entzündung rasch bekämpfen

Das für den Patienten schwerwiegendste Symptom der Neurodermitis ist ein starker, häufig unerträglicher Juckreiz, der mit Entzündungen der Haut einhergeht. Um dem Teufelskreis aus Entzündungen, Jucken und Kratzen möglichst schnell zu entkommen, empfehlen sich Cremes oder Salben mit Steroiden (Kortison), welche die Entzündung in der Haut bereits nach kurzer Zeit lindern. Um eine Verdünnung der Haut als mögliche Nebenwirkung der Steroide zu vermeiden, werden diese nur kurzfristig eingesetzt.

2. Die Haut stabilisieren

Was viele Erkrankte nicht wissen: Bei Neurodermitis ist die Hautbarriere geschädigt, sodass Allergene und Schadstoffe von außen in die Haut eintreten können. Daher ist es wichtig, nicht nur die Entzündung zu bekämpfen, sondern auch die Hautbarriere zu regenerieren. Hier kommen vor allem Cremes mit so genannten Calcineurin-Inhibitoren zum Einsatz, die auf zweifache Weise wirken: Zum einen regulieren sie das überaktive Immunsystem und fahren die Entzündungsreaktion weiter herunter. Zum anderen stärken sie die Hautbarriere und machen die Haut widerstandsfähiger gegen schädliche Einflüsse. Die Creme wird zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.

3. Die beschwerdefreie Phase proaktiv verlängern

Wenn die sichtbaren und spürbaren Symptome abgeklungen sind, besteht bei vielen Betroffenen der verständliche Wunsch, die Medikamente abzusetzen. Allerdings zeigen Studiendaten, dass die Erkrankung mit der so genannten proaktiven Therapie langfristig besser unter Kontrolle gebracht werden kann: Dazu wird an zwei Tagen in der Woche einmal täglich mit einem Calcineurin-Inhibitor2 weiterbehandelt. So lassen sich die unterschwelligen, nicht sichtbaren Entzündungen in Schach halten. Auf lange Sicht benötigen die Patienten nicht mehr, sondern weniger Medikamente, da es seltener zu Schüben kommt und diese weniger heftig ausfallen.

Weiterführende Informationen bietet die Broschüre „Neurodermitis – Grundlagen für eine erfolgreiche Behandlung“. Sie wurde mit finanzieller Unterstützung der LEO Pharma GmbH realisiert und kann kostenfrei postalisch oder im Internet angefordert werden: Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-neurodermitis-therapie.de.

1 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/jdv.14891
2 Für die proaktive Therapie ist eine antientzündliche Salbe mit dem Wirkstoff Tacrolimus zugelassen. Studien belegen die Sicherheit und Wirksamkeit über einen Zeitraum von 12 Monaten.

  • Wollenberg A, Reitamo S, Atzori F et al.; Allergy. 2008; 63:742-50
  • Thaçi D1, Reitamo S, Gonzalez et al.; Br J Dermatol. 2008;159(6):1348-56
  • European Dermatology Forum: Guidelines for Treatment of Atopic Eczema (Atopic Dermatitis) 2018 https://www.edf.one/home/Guidelines/EDF-Guidelines.html